onstage - backstage
Einstieg in Bühnenberufe

Viel Bewegung in der Wohngemeinschaft
Tanztheater des Projekts "Act" feierte Premiere in Findorff

Wie ist es, wenn sechs junge Menschen in einer Wohngemeinschaft leben? Wie sieht ihr Alltag aus? Welche Gemeinsamkeiten gibt es, und in welcher Weise kommt die Individualität eines jeden Einzelnen zum Ausdruck? Diese und weitere Fragen beantworteten jetzt vier Tänzerinnen und zwei Tänzer von "DE LooPERS" in Findorff. Das in Zusammenarbeit mit dem vom Verein Quartier angeschobenen Bühnenprojekt "Act" erarbeitete Tanztheaterstück "WG" feierte in der Bayreuther Straße Premiere.

Rund 30 Zuschauer warfen einen Blick hinter die Kulissen der sechsköpfigen Wohngemeinschaft. Ihre überwiegend dialogfreie Geschichte ist eingebunden in moderne tänzerische Bewegungsabläufe, die nicht nur Lebenssituationen repräsentieren, sondern auch die verschiedenen Charaktere der Protagonisten erahnen lassen.

Die Jugendlichen von "De LooPERS" haben unter der künstlerischen Leitung des Tänzers und Choreografen Wilfried van Poppel choreographische Blöcke entwickelt und zu einem Stück vereint.

Als Percussionsinstrumente kommen dabei Hände, Oberschenkel, Tischplatte und weitere Hilfsmittel zum Einsatz. Nach dem Intermezzo des Sextetts geht jeder wieder seinen eigenen Weg, um das Tagesgeschäft zu organisieren.

Mit akrobatisch anmutendem Tanz wird darüber hinaus die Spannung eines Kartenspiels sowie das emotionsgeladene Kräftemessen der männlichen Mitbewohner zum Ausdruck gebracht. Beim Finale geben die sechs Tänzer noch eine synchrone Tanzeinlage zum Besten und freuen sich am Ende über reichlich Applaus.
Elke Lutzebäck, Weserkurier 30.12.2004

Die Presse über act VI

Der Löwe brüllt, springt aber nicht
Berufsorientierungsprojekt "act" zeigte Projektionen, Illusionen, Tanz und Tricks rund um den Zirkus

Der Löwe brüllt und bleibt reglos sitzen. Und das, obwohl der Dompteur imknallroten Jakett ihn nachdrücklich auffordert, durch einen Ring zu springen. Doch das Brüllen kommt aus dem Monitor und der Löwe ist bloß aus Plüsch. Solche Projektionen, Illusionen, Tanz und Tricks rund um das Thema Zirkus hat kürzlich das Berufsorientierungsprojekt "act" in seinem Domizil in der Bayreuther Straße präsentiert.

Die Zuschauer sitzen dicht gedrängt in einem Guckkasten und blicken durch Gitterstäbe. Sie fiebern bei einer Performance über das Zirkusleben eines Dompteurs mit, den Robin Enkerts aus Hemelingen verkörpert. Ein Clown, Adrian Löhner aus dem Viertel, macht den Gästeführer: Er geleitet die Zuschauer weiter ins Hausinnere.

Dort, in einem großen Tanzraum, balanciert Karolina Dommert auf einem Seil. Das liegt allerdings auf dem Boden. Denn nicht so sehr um Akrobatik geht es der jungen Frau aus dem Viertel, sondern mehr um poetisches Tanztheater.

Weiter geht es mit dem Clown: In einem Zirkusraum sind Klänge aus der Unterwelt zu hören. Bei einer Schauspielnummer im Tanzraum bleibt den Zuschauern das Lachen im Halse stecken: Adrian Löhner, Arne Ose, Bahar Karaman, Florian Zundel und Lilith Schädlich präsentieren schwärzesten Humor.

Das Zirkus-Stück ist Höhepunkt eines Projektes, bei dem junge arbeitslose Erwachsene verschiedene Berufe rund um "die Bretter, die die Welt bedeuten" kennen lernen konnten. Seit 2001 organisiert der Kulturverein Quartier das Berufsorientierungsprojekt "act". Seit März wird es von der bremer Arbeitsgemeinschaft Integration und Soziales (Bagis) gefouml;rdert. Weitere Förderer sind die Bremer Arbeit und die Kulturbehörde Bremen.

Die 20 "act"-Teilnehmer kommen aus allen Stadtteilen Bremens. Sie haben mehrwöchige Workshops in verschiedenen Berufsfeldern und ein fast dreimonatiges Praktikum bei einer Firma oder einer Institution absolviert. Für das Zirkusprojekt haben die Teilnehmer innerhalb von sechs Wochen alles selbst entwickelt und gebaut - vom Bühnenbild über Technik, Maske und Kostüm bis hin zur Grafik und naürlich der Bühnendarstellung.

Damit eine professionelle Produktion entstehen konnte, haben erfahrene Dozenten die Teilnehmer begleitet. Für das Tanztheater war zum Beispiel Wilfried van Poppel von der Kompanie De Loopers zuständig, Schauspiel unterrichtete Ex-Shakespeare-Company-Mitglied Peter Kaempfe. Die Projektleitung übernahm Regina van Düllen.

In kleinen Gruppen entwickelten die "act"-eure ihre eigenen Vorstellungen und Ideen zum Thema Zirkus. Sie schrieben Konzepte, akquirierten Sponsoren, bauten Bühnenbilder, besorgten Requisiten, spielten und tanzten Szenen ein, zeichneten, filmten und fotografierten, bauten Licht- und Tonequipment auf, layouteten Einladungen, benachrichtigten die Presse und verteilten Plakate.

Ein weiteres großes Projekt beschäftigt die Teilnehmer, Künstler und Projektleiter von "act": Zusammen mit der Kompanie De Loopers unter der Leitung von Wilfried van Poppel wird im Rahmen des europäischen Kulturprojektes "?tolerance?" eine Tanztheateraufführung zum Thema Akzeptanz und Ablehnung von Andersartigkeit erarbeitet.

Das Besondere daran: Zur leichen Zeit erarbeitet das Kulturhaus der Bremer Partnerstadt Danzig mit polnischen Jugendlichen ebenfalls eine Performance zu diesem Thema. In einer gemeinsamen Vorstellung wird das Stück im Juni in Danzig und im September in Bremen zu sehen sein. Einen Vorgeschmack gibt es am 11. Juni bei einem Festival im Rahmen des Projektes Tanzstadt Bremen. Noch bis Ende August läuft der Kurs. Ein neuer beginnt am 1. Septemer.
Annekathrin Gut, Weserkurier 12.05.2005

... weitere Pressestimmen zur Arbeit von act VI finden Sie auf der Seite über das Projekt ¿tolerance?

Die Presse über act V / DE LooPERS

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