onstage - backstage
Einstieg in Bühnenberufe


Theaterpraktikanten auf der Bühne
Berufsorientierungsprojekt „Act“ stellte sich vor
FINDORFF (AHO). Völlig überdreht tänzelt eine Elfe vor einem Christbaum hin und her. Auf einer Kiste vor ihr kauert eine junge Frau mit einem Henkersstrick in der Hand und philosophiert über ihre Einsamkeit beim Fest der Liebe. Ausgedacht haben sich diese und andere skurrile Weihnachtsszenen die Teilnehmer von „Act“, einem Orientierungsprojekt für Bühnenberufe. Kurz vor Weihnachten präsentierten sie ihre Werke der Öffentlichkeit.
„Weihnachten ist so toll“, singt die Elfe und schwingt aufgekratzt ihren Zauberstab. „Weihnachten ist Mist“, entgegnet die andere junge Frau mürrisch und versucht, einen Strick an der imaginären Zimmerdecke zu befestigen. Doch nicht einmal will ihr gelingen, und so sinkt sie deprimiert nieder und starrt aus schwarz geschminkten Augen ins Leere. Schnell kommt es zwischen den beiden ungleichen Charakteren zu einem Streitgespräch über den Sinn des Weihnachtsfestes. Am Ende sitzen beiden nebeneinander am Rand der Bühne und stellen fest: „Wir sind allein.“
Das traurige Stück haben sich Sarah Nagel und Ann Kathrin Hahn vom Findorffer Theaterprojekt „Act“ in mehrwöchiger Arbeit ausgedacht. Die beiden jungen Frauen gehören zu derzeit den 25 Teilnehmern, denen in der Bayreuther Straße 14 Wissenswertes rund um technische, gewerbliche und künstlerische Bühnenberufe vermittelt wird. Träger des 2001 gestarteten Projekts ist der Kulturverein „Quartier“ aus der Neustadt. Gefördert wird es von der Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales (Bagis), der Bremer Arbeit und dem Kulturressort.
Schon seit der Kindheit interessiert sich Ann Kathrin Hahn für die Schauspielerei. „Es war immer ein Traum“, sagt sie. Seit fünf Monaten ist sie nun bei „Act“ und freut sich über die Chance, einen tieferen Einblick in die Theaterwelt zu bekommen. Ihre Bühnenpartnerin, die Elfe Sarah Nagel, hatte schon ein Praktikum im Goethetheater hinter sich, als sie Mitte November bei „Act“ begann. Sie wünscht sich, einen Ausbildungsplatz als Damenschneiderin für Kostüme zu finden.
„Wir wollen die Teilnehmer qualifizieren und ihnen Perspektiven eröffnen“, sagt Projektleiterin Regina van Düllen. Gemeinsam mit dem Tänzer und Choreografen Wilfried van Poppel kümmert sie sich seit 2002 das Projekt. Hier könnten die jungen Leute ausprobieren, was ihnen liege und ihre eigenen Fähigkeiten erleben, beschreibt die Sozialpädagogin die Projektziele. Van Poppel ergänzt: „Die Teilnehmer sollen auch Eigenverantwortung übernehmen. Sie sollen und müssen sich bei uns beweisen.“

An Clownsschule gewechselt
Wie gut dies funktionieren kann, weiß Karolina Dommert zu berichten. Sie begann vor zwei Jahren bei „Act“ mit dem Ziel, Maskenbildnerin zu werden. Doch schnell sei ihr klar geworden, dass dieser Beruf nicht zu ihr passe. „Dann habe ich einen Tanzworkshop bei Wilfried van Poppel besucht und gemerkt, dass mir das Spaß macht“, sagt die zierliche junge Frau. Im September wechselte sie an eine Clownsschule in Hannover mit der konkreten Perspektive, aus der Leidenschaft einen Beruf zu machen.
Gradliniger, verlief die „Act“-Teilnahme für Christian Allwardt. Er wusste von Anfang an, was er werden wollte und schaffte nach 18 Monaten den Sprung vom Qualifizierungsprojekt zu einer Ausbildung zum Veranstaltungstechniker für Licht und Ton im Waldau-Theater. „Im ‚Act‘-Projekt bekommt man vor allem Kontakte und lernt die Grundlagen“, so Allwardt.
Über das Projekt werden auch mehrwöchige Praktika in Bühnen- und Veranstaltungsbetrieben organisiert. Darüber hinaus beteiligt sich „Act“ an Kulturprojekten in ganz Brennen. Dazu gehörten beispielsweise Performances zur Eröffnung der Zentralbibliothek am Wall oder zum Abriss des Kessler-Blocks im Stadtteil Tenever. Weitere Informationen über das „Act“-Projekt gibt es im Internet unter www.actbremen.de.
Weser Kurier 28.12.2006

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